Avilés
September 25, 2007
Jetzt ist’s wieder Dienstag, das heißt ich bin jetzt schon mehr als eine Woche in Spaniens hohem Norden. Das Wochenende hab ich in Avilés verbracht. Das ist eine kleine Stadt in Asturien, ca. vier Stunden Busfahrt von La Coruna entfernt. Diese niedliche Destination hat sich das IFSC ausgesucht um eine ebenso niedliche Veranstaltung zu hosten: die WELTMEISTERSCHAFT IM SPORTKLETTERN 2007. Und nachdem ich ja schon eine Wohnung habe und deshalb meine Aufgaben fürs erste erledigt sind, konnte ich ohne schlechtem Gewissen diesen Kurztrip unternehmen. Schließlich wollte ich nicht in La Coruna sitzen während vier Stunden entfernt so ziemlich alles was die Kletterszene zu bieten hat eine Woche lang zieht, presst, drückt, klemmt, springt, hookt, schüttelt, klippt, crimpt und wasweißichalles macht. 
Um 9:30 Uhr ging mein Bus vom Busbahnhof und die Fahrt führte uns zu einem großen Teil an der nicht unansehnlichen Nordküste Galiziens und Asturiens vorbei. Das war auch gut so weil der buseigene DVD Player beim Hauptmenü hängengeblieben war. „The Aviator“ wollte ich aber eh nicht unbedingt sehen (obwohl, besser als „The Saint“ wäre er wahrscheinlich). Um kurz vor 14:00 Uhr waren wir dann in Avilés, zum Glück hatte mich meine hilfsbereite Sitznachbarin davon abgehalten, den Bus schon eine Stunde vor Ankunft, in Navia zu verlassen. Aber nach einem kurzen Nickerchen kann man schon mal die Orientierung verloren. Ich hätte sicher schön geschaut, wenn ich draufgekommen wäre, dass ich in irgendeinem Kaff im Nirgendwo bin, während ich dem Bus bei seiner Auffahrt auf die Autobahn hinterher gewunken hätte. Als wir dann im richtigen Kaff angekommen waren, ging ich schnurstracks zum Tourist Info Point um mich über mögliche einmalige Übernächtigungsmöglichkeiten zu informieren. Dort bekam ich einen Stadtplan, eine Hotel-Liste und den Hinweis, dass es möglicherweise etwas schwierig sein würde, da ja die WELTMEISTERSCHAFTEN IM SPORTKLETTERN 2007 gerade stattfinden. Ich suchte mir also gleich eine Pension, die etwas entfernt von der Innenstadt liegt und deshalb vielleicht noch frei sein würde. War sie auch, € 20,- für Einzelzimmer mit Bad, gekauft. Kurz unter die Dusche und dann ab in die Stadt, kurz was Essen und um 17:00 Uhr war ich schließlich beim Sportzentrum, um auf den Einlass zu warten.
Der Rummel war sehr überschaubar, eine Eintrittskarte kostete € 1,- und die Spannung stieg. Um 18:00 Uhr wurden die Pforten geöffnet, das frühe Anstellen hätte ich mir sparen können, es gibt genug Plätze und erst langsam füllt sich der bessere Turnsaal mit Zusehern.
Die Wand ist recht cool, 17 m hoch mit mehreren Überhängen und Dächern. Beleuchtet wird das Spektakel leider sehr undifferenziert. Es ist einfach überall hell, was der Dramatik nicht sehr zuträglich ist. Irgendwann fängt der Sprecher an die Veranstaltung zu eröffnen, die Athletinnen werden vorgestellt, begonnen wird mit dem Damenfinale. Acht Frauen klettern hier mit, und mit Katha Saurwein auch eine Österreicherin. Komischerweise stellt sich auch ihre Landsfrau Angela Eiter zu den Kletterinnen dazu, scheinbar will sie auch bei den Frauen mitklettern, reichlich unfair wie ich finde. Aber egal, möge der spannende Kampf um Platz zwei beginnen! Der Vorstiegsbewerb ist eigentlich eher fad. Obwohl die Routensetzer, allen voran der große Francois Legrand, sogar einen Doppeldynamo eingebaut haben. Es gibt zwar spannende Szenen, aber im Großen und Ganzen überwiegen die Längen. Zwei Damen schaffen es gleich weit zu kommen wie Angie Eiter und eine davon war auch in den Vorrunden ebenbürtig, also gibt es ein Superfinale, obwohl das Ergebnis ja eigentlich schon feststeht. Eine Belgierin und Angie werden sich nach dem Herrenfinale die Männerroute geben. Diese hat zwar keine Sprünge eingebaut, dafür einen lockeren Griff, der Cedric Lachat einen zweiten Versuch einbringt. Und das nutzt er aus: den Teil den er schon kennt, rennt er quasi die Wand herauf, da sieht man was das für einen Unterschied macht. Trotzdem schafft er’s nicht bis zum Top. Der abschließende Quergang hat es gehörig in sich. Ramon Julian Puigblanque schafft es bis zum vorletzten Griff und kann den letzten gerade nicht festhalten, trotzdem eine beeindruckende Leistung vom 1,60 m Mann. Als letztes kommt der, auf den alle warten Patxi Usobiaga. Zweimal zweiter bei den letzten beiden Weltmeisterschaften und auch heuer geht sich’s nicht aus, er scheitert zwei Griffe vor dem Top. Dritter werden mehrere und so ist es Zeit für das Superfinale der Dame und Angela Eiter. Die Hälfte der Zuseher ist schon gegangen, na klar, wies ausgeht wissen eh alle. Die Frage ist nur wird Angie die Männer blamieren und bis zum Top durchklettern? Die Belgierin legt gut vor, das erste Dach meistert sie, dann muss sie aber bald loslassen. Dann kommt Angie, die einzige Teilnehmerin die noch kleiner ist als Ramonet (der Weltmeister). Sie klettert trotzdem munter drauf los, klippt eine Express nach der anderen und kämpft sich gut 2/3 der 8c Route hinauf. Nachdem sie das Ergebnis von einem der männlichen Finalteilnehmer überboten hat, lässt sie sich fallen um nicht die ganze Elite zu blamieren. Ausbaufähig.
Am nächsten Tag ist Bouldern dran. Die Beleuchtung ist wieder taghell und die Zuschauerzahl ist vor allem beim Halbfinale am Vormittag sehr gering. Der Bewerb selbst ist aber ziemlich cool. Es ist einfach leichter zu begreifen, wie schwierig die Probleme sind. Außerdem klettern mehrere gleichzeitig und so gibt es wirklich viel zu sehen. Trotzdem sind sicher ¾ der Zuseher selbst Kletterer die bei der WM mitgemacht haben. Das Halbfinale beginnt um 9:15 Uhr. Um circa 11:00 betrete ich die Halle. Vorbei an Angie Eiter die gerade am Geländer der Stiege herumturnt, sehe ich dass all die coolen Typen und Mädels von denen man im Internet so liest, was für schwierige Sachen sie schon geklettert sind, da unten im Turnsaal stehen, und zwar nicht hinter sondern vor der Absperrung. Kilian Fischhuber, David Lama und Jorg Verhoeven, Thomas Mraszek, Gaz Perry, undundund. Als ich kurz rauf in die Cafeteria schaue, sitzen dort Irati Anda und ihr Freund Patxi und signieren gerade Poster. Ich hab mir nur eines von Irati geholt, Patxi kann eh nicht so gut klettern, der war ja noch nicht mal Weltmeister.
Am Nachmittag stellen sich dann Daniel Woods, Jon Cardwell und Sean McColl mit mir an um in die Halle zu kommen und ich kann beobachten wie die drei mit Kili, David Lama und Jorg Verhoeven Wetten abschließen, wer den Boulderbewerb gewinnt. Bei den Frauen schafft das Anna Stöhr, die alle vier Finalprobleme flasht, und bei den Herren Dimitri Sharafudinov, wobei mein Hero ja Cedric Lachat ist. Er wird dann auch Overall Champion, verdient wie ich finde. Abschließend bleibt zu sagen, dass der Bewerb von den Teilnehmern und Klettereien ziemlich gut war, jedoch war die Organisation und Inszenierung eher mittelmäßig. Andererseits war es sehr sympathisch, dass alle Topkletterer einfach unter dem „normalen“ Publikum waren, so gesehen war das Event sehr familiär und soll vielleicht auch so bleiben.
Essen
September 20, 2007
Ein Wienerschnitzel mit Bratkartoffeln, eine Bratwurst mit Bratkartoffeln und ein Glas Bier – € 3,30: Tapas rule!
Uni
September 19, 2007
Auf der Uni ist es noch recht leer, bis jetzt werden nur die Erasmus Studenten in Scharen auf den Berg, wo der Campus liegt, gekarrt. Sonst ist fast niemand hier und es ist eher verlassen. Ich nehm’ an das wird sich spätestens ab Oktober ändern. So ist das Bild eher spaßig, wenn sich ca. 100 Personen in den einzigen Bus der sie in die Stadt bringt, zwängen, immer gemeinsam wie Sardinen. Das ist eigentlich der perfekte Vergleich: Sardinen die im Schwarm unterwegs sind und sich dann in ein Blechbehältnis zwängen. Aber unsere Wege sind am Anfang einfach diesselben. Das System der Campus-Uni gefällt mir bis jetzt weder gut, noch schlecht. Es ist ungewohnt und scheint als würde es mehr Nachteile als Vorteile haben, aber das kann ich jetzt noch nicht beurteilen.
Wohnung
September 19, 2007
Eine Wohnung zu suchen ist anstrengend. Ich nehme an immer und überall. Obwohl, hier macht es mir fast Spaß. Bis jetzt bin ich immer freundlich empfangen worden, und obwohl ich die Sprache recht schlecht beherrsche, werde ich viel gefragt und bekomme ausführliche Antworten auf meine mühsam formulierten Fragen.
Der Wohnungsmarkt in Coruna ist zurzeit heiß umkämpft. Am Anfang denkt man, jeder hier sucht eine Wohnung, man hat ja auch hauptsächlich mit Erasmus Leuten zu tun und die suchen ja auch alle, aber mit der Zeit finden immer mehr ihren Platz zum Schlafen. Erasmus ist irgendwie ein Eigenschaftswort und ein Land, quasi ein Zustand den man für eine gewisse Zeit einnimmt. Wenn ich zB von jemand anderem vorgestellt werde, heißt es oft: „He’s Erasmus“, oder „He’s also Erasmus“ oder „El es Erasmus“. Das ist aber nicht schlimm, es umreißt die wichtigsten Punkte, obwohl es schon sehr pauschal ist. Bis jetzt hab ich drei Wohnungen angeschaut, gestern zwei, heute eine. Gesprochen hab ich über 100.
Die erste war eine WG mit drei Mitbewohnerinnen, wobei ich nur eine kennen gelernt habe. Das Zimmer war recht cool, eher klein aber „exterior“, dh. mit Blick auf die Straße und nicht in den Innenhof (diese sind eigentlich immer nur Licht- und Luftschächte). Trotzdem hab ich mich mir nicht recht in der Wohnung vorstellen können. Die Lage war ok und sie war sehr billig, (120 kalt, ich schätze 160 ohne Internet, mit sonst allem).
Die zweite Wohnung war die eines Freundes von Sergio. Der Freund besitzt eine Bar, was ja schon mal für die Wohnung spricht. Sie liegt ziemlich zentral in einem Viertel, das zurzeit in ist oder gerade in wird. Diese wiederum ist auf der teureren Seite der Skala und kostet 240, aber mit allem drum und dran, sogar Internet. Aber auch hier hab ich eher ein unsicheres Gefühl, ein bisschen wegen dem Preis und ein bisschen weil ich glaub’ ich immer das Gefühl hätte, der Gast von David (dem Besitzer der Wohnung) zu sein. Naja, ich glaube bei der Wohnung hätte ich noch Zeit mich zu entscheiden, David hat es nicht eilig jemanden zu finden und hat die Wohnung nicht ausgeschrieben. Nichtsdestotrotz ist auch er total hilfsbereit, zuvorkommend und „gmiatlich“. Es war kein Problem mir die Wohnung kurzfristig zu zeigen, und es war Mitternacht.
Heute war ich dann in einer WG wo zwei Zimmer frei wären. Und obwohl in einem Zimmer ein Fenster gesprungen ist, führt dieses Zimmer die Liste gerade an. Die Wohnung ist riesig mit bestimmt zehn Türen (elf mit Eingangstür). Es gibt vier Zimmer, ein Wohnzimmer, eine Küche, zwei Bäder, zwei Abstellräume und eine Katze. Die Lage ist spitze, es gibt Wireless Internet, schöne Böden, coole Zimmer (das Zimmer der Hauptmieterin ist an der Ecke und hat riesige Fenster) und auch sonst eine gute Ausstattung. Leider muss man mit Strom heizen. Naja billig ist sie eigentlich auch (kalt 150). Mit zwei Leuten hab ich noch Emailkontakt wegen Wohnungen und sonst wart ich auf neue Inserate im Internet. Also bis jetzt noch keine schlechten Erfahrungen bei der Wohnungssuche. Und sogar das Wetter ist gut.
Strand
September 19, 2007
Playa Orzan, La Coruna
So, jetzt ist’s schon Mittwoch. Ich bin grad von einer Tour um die Halbinsel zurückgekommen, im Laufe derer ich beim rocodromo war, um mich zu informieren, was man tun muss um darin klettern zu dürfen. Ok, um ehrlich zu sein, ich hab wahrscheinlich folgendes gefragt: Hallo,… eh….was muss ich machen, um die Kletterhalle zu benutzen? Wobei, eigentlich unmissverständlich. Mein Spanisch ist also schon gereift. Jedenfalls: der Mann hinter der Glasscheibe hat mir erklärt, dass das rocodromo zu einem Verein gehört, dessen Sitz in Vigo ist. Und dass man, um zu klettern, Mitglied dieses Vereins sein muss. Die Mitgliedschaft kann man aber in A Coruna beantragen und zwar in einer Filiale von Caixa Galicia. Caixas gibt es in Coruna so oft, dass man glauben könnte es sind Banken. Man kann auch Konten bei Caixas eröffnen, was der Unterschied von Caixas und Bancas ist, hat mir aber nicht einmal Sergio, gebürtiger Galizier, erklären können, er hat mir auch gesagt, dass er ihn (den Unterschied) erst zwei Wochen zuvor erfahren hat. Summa summarum werde ich es glaub ich schaffen, mir für den Winter eine Klettermöglichkeit zu organisieren, ich weiß zwar noch gar nicht wie das rocodromo aussieht, aber was solls, es wird wohl ok sein.
Im Laufe meiner Halbinselumrundung hab ich auch den Strand gestreift, heute ist das Wetter echt traumhaft, in der Sonne ist es total heiß, man sieht keine einzige Wolke, schade das ich das gute Wetter nicht richtig ausnutzen kann. Der Strand ist muy bonita, die Wellen hab ich leider nicht gesehen, die kommen erst um 15:00 Uhr.
Ich war auch das erste Mal im Supermercado, der ziemlich ähnlich wie unsere Gattungen ist, nur das alles was man kauft sofort in Plastiksackerl eingepackt wird.
Gestern war ich auch am Strand, jedoch etwas außerhalb von Coruna. Sergio, den ich aus Graz kenne, hat mich vom Sprachkurs abgeholt, und wir sind mit Martin aus Bozen, der mit Sergio den Sommer in Coruna war, und mit zwei Italienerinnen , wobei die eine sein einem Jahr und die andere seit zehn Tagen hier ist, zu Sergios Lieblingsstrand gefahren. Danach waren wir Tapas essen, die beste Erfindung ever!, und danach noch in einer anderen Bar, wo ich einen Corto getrunken habe, einen Fingerhut Bier, die große Variante „cana“ (sprich: Kanja – heißt Rohr) ist ein Seidl aber angeblich gibt’s keine größeren Biere. Sie haben gemeint weil es sonst zu schnell warm wird.
Gestern Nachmittag hatte ich eben den Sprachkurs, bei welchem ich neben Andre aus Schweden sitze. Er ist ziemlich cool, spricht perfekt Englisch nur mit dem Spanisch tut er sich ein bisschen schwer. Andre will auch Surfen in Coruna und ist mit dem Auto von Schweden runtergefahren, zusammen mit seiner Freundin und einem Kumpel. Sie waren zehn Tage unterwegs, haben aber auch Stops in Frankreich gemacht. Natürlich fährt er einen weißen Volvo.
Nochmal zu den Tapas: die sind echt genial. Recht kleine Portionen (zwischen € 0,80 und € 1,50, jedoch kosten in einer Bar alle Tapas gleich viel) unterschiedlich je nach Bar, ich hatte gestern eine Art Bratwurst mit Brot und Pommes und Tequenos, das ist Käse mit Teig umhüllt und frittiert. Wenn ihr denkt das ist gallig: Sergio hat ein gekochtes Ei mit Bechamel Soße gegessen und das Ganze war paniert. Geil kommt von gallig und gallig von Gallizien.



